Heim gesucht! (10. Februar 2026)
Heute haben wir ein Theaterstück mit dem Titel „Glucks und das schrecklich liebe Gespenst“ gespielt, und das, was wir gespielt haben, hatte plötzlich auch etwas mit unserem echten Leben zu tun.Judiths Rolle ist ein heimatloses Gespenst. Es sucht einen Platz zum Wohnen, weil die Leute überall keine Gespenster mehr gebrauchen können. Das alte Schloss wurde zu einem Wellnesshotel umgebaut, und da haben Gespenster nichts mehr verloren! Der alte Hühnerstall ist jetzt eine Legebatterie, und da ist es selbst einem Gespenst viel zu gruselig. Und so zieht es heimatlos umher und hat kein eigenes Zuhause mehr.
Endlich entdeckt es meine schöne, chaotische Wohnung, wo lauter tolle Dinge unordentlich herumliegen, und zieht – während ich als Glucks schlafe – heimlich in die Besenkammer ein. Eine für ein Gespenst außerordentlich schöne Besenkammer: voller Spinnweben!
Es geht davon aus, unentdeckt zu bleiben – schließlich schläft ein Mensch am Tag und ein Gespenst in der Nacht, und so bemerkt niemand, dass es da ist. So zumindest der Plan. Natürlich kommt es, wie im echten Leben häufig auch, anders als gedacht: Wir begegnen uns! Zur Freude der Kinder, die gespannt mitfiebern, wie Glucks das Gespenst entdeckt, das sich so bemüht, unbemerkt zu bleiben, – nur weil es mir, als ich niesen muss, höflich, wie es nun mal ist, versehentlich laut „Gesundheit“ wünscht. Ich als Glucks vernehme eine fremde Stimme in meiner Wohnung und erkunde, wo sie herkommt. So kreuze ich unerwartet in der Besenkammer auf, und wir fallen beide erst mal vor Schreck in Ohnmacht.
Nun aber zur Parallele vom Theater auf der Bühne zum Theater im echten Leben. Mitte Dezember ereignet sich Folgendes: Judith bekommt einen Brief und wird wegen Eigenbedarf gekündigt. Tolles Weihnachtsgeschenk! Und das in München, wo es ja bezahlbare Wohnungen wie Sand am Meer gibt oder wie Bier auf der Wiesn!
Aber sowohl auf den Brettern, die die Welt bedeuten, als auch in vier Wänden gibt es Glücksmomente, die uns sehr erfreuen: Ich habe das Gespenst am Ende doch bei mir einziehen lassen, obwohl ich so lange eine Wohnung gesucht habe – ganz für mich alleine! Und es darf sogar Haustiere haben: jede Menge Spinnen und eine kleine Fledermaus!
Und Judith hat auch in echt eine Wohnung gefunden: in München! Als freie Schauspielerin! Und sogar etwas größer als eine Besenkammer!
So haben wir uns zweimal gefreut – über unsere WG auf der Bühne, wo wir uns beim Happy End fest in die Arme schlossen, und über Judiths neues Nest!
Das Leben gibt einem schon manchmal den Rest, aber gelegentlich ist es auch ein richtiges Fest!



