Funmeile (11. Februar 2025)
Neulich fuhr ich mit dem Auto nach einem Auftritt wieder heim nach Augsburg und steckte eine Weile im Luise-Kiesselbach-Tunnel in München fest. „Oströhre“ stand an der Wand, und ich hatte das Gefühl, ein mechanisches Teil einer riesigen Fabrik zu sein. Von überall her tauchten noch mehr Blechkisten auf, die durch die Röhre wollten, und ich hätte mich nicht gewundert, wenn mein fahrbarer Untersatz plötzlich von einem Greifarm gepackt und in eine andere Röhre geschoben worden wäre, die Autos nach Farben sortiert, neu lackiert oder gar aussortiert. Da sitzen die Leute also in ihren „Bürgerkäfigen“ und rollen vorm Feierabend durch die Röhren. Familienkutschen neben Rostlauben. Nuckelpinne neben Geländewagen.Max 2941 hatte einen ziemlich schlechten Tag gehabt. Er fuhr auf alle Autos nah auf und wechselte die Spur ohne Rücksicht auf Verluste, egal ob da gerade eine durchgezogene Linie war oder nicht. Man konnte förmlich spüren, wie wütend er war, weil der Verkehr stockte. Es gelang ihm tatsächlich, fünf Meter vorzupreschen, um dann erneut stecken zu bleiben. Eigentlich hätte sein weißes Auto die Farbe wechseln und rot vor Zorn werden müssen. Ich war froh, als es weiter ging und Max 2941 endlich über alle Berge war. Nö374 war deutlich besser gelaunt. Galant ließ er Fahrzeuge vor und wirkte mit sich und der Welt zufrieden.
Mir fiel ein, dass ich bei der Eröffnung des Luise-Kiesselbach-Tunnels vor vielen Jahren von einer Agentur angefragt wurde, ob ich da nicht einen Auftritt machen könne, es gebe ein autofreies Stück, eine „Funmeile“, und dafür würden Künstler gebraucht. Ich habe damals unsere Politessen auf Stelzen vorgeschlagen, und ich weiß noch, dass die Agentur erst nach einiger Zeit mit des „Funfacts“ um die Ecke kam: dass es gar kein Geld dafür gebe, aber man könne ja Flyer verteilen und so Werbung für sich selber machen. Ich dachte damals, ich höre nicht richtig oder die leiden unter einer gar nicht so seltenen Tunnelblick-Krankheit … „Ich bin die Agentur und werde für meine Arbeit bezahlt, du aber nicht: ha ha!“
Ich hatte ja schon bei dem Wort „Funmeile“ ein komisches Gefühl, aber das fand ich jetzt schon ganz schön dreist. Ich habe natürlich abgesagt. Super Freizeitbeschäftigung und super Werbung für uns: in einem Tunnel stehen und Flyer verteilen – mega Fun!
Da war der Kinderauftritt neulich für mich die größere Freude. Ein Kind wollte uns sogar sein Spielzeugauto schenken, von „Leasen“ wusste es vermutlich noch nichts. Wegen der Vorstellung musste ich hinterher also zu einer Hauptverkehrszeit durch den Tunnel. Aber vielleicht hätte ich Max 2941 ja mit einem lustigen Flyer besänftigen können auf Münchens Funmeile – und hätte jetzt einen neuen Fan!



