Fensterputzerfische (4. August 2026)
Ich solle nicht erschrecken, wenn ich komme: Die Dachfenster würden repariert, und der Raum sei eine Baustelle, sagt meine Kundin. „Ach, ich komme aus Augsburg, da sind überall Baustellen“, denke ich – und bin dann doch überrascht, als sie sagt: „Theoretisch könnte was von oben runterfallen!“ Ganz ruhig fügt sie hinzu: „Aber praktisch nicht, weil da ein Netz hängt. Seit drei Jahren warten wir auf die Handwerker, die die Fenster reparieren sollen. Jetzt haben sie Zeit.“Handwerker müsste man sein. Da wird man gebucht und kann kommen, wenn man gerade mal Zeit hat. Bei mir ist das anders. Da ist das Datum und sogar die genaue Uhrzeit vereinbart. Na, dann fahre ich mal los. Ich will ja heute da sein und nicht erst in drei Jahren. Ich spiele in einer Bibliothek in Weilheim. Kindertheater: „Die Geschichte vom Meer“. Es ist ausverkauft, was alle freut. Es ist schön. Ein Fenster in eine andere Welt – unsere Welt. Es fehlen nur noch Fensterputzerfische, die die Dachfenster putzen.
Die letzten drei Auftrittstage hatten alle etwas Besonderes: der erste in Ingolstadt bei der Straßenambulanz, der zweite in München im Englischen Garten und der dritte in der Bibliothek. Heute spiele ich vor Bücherregalen, neben mir die Ecke mit den Büchern zum Thema Fantasy.
Zu Beginn ist es ganz ruhig, bis das erste Lachen ertönt. Dann sind alle eingetaucht. Ich spüre, dass die jüngeren Kinder einen ruhigeren Spielrhythmus brauchen und die Größeren mehr Tempo. Ich variiere. Das Lachen beginnt bei den Kindern und rollt wie eine Welle nach hinten zu den Erwachsenen. Und ich stehe mittendrin in den Wogen des Schmunzelns und Kicherns wie ein Clownfisch im Wasser.
Der Moment hinterher, wenn sich alle freuen, ist schön. Ich sage, dass ich gerne wiederkomme. Gleichzeitig wird deutlich, dass das finanziell vermutlich eng ist. Das fühlt sich hart an. Wie ein Moment, in dem gedanklich die Seepferde mit einem durchgehen und plötzlich jemand ruft: „Deck schrubben!“
Und morgen? Alles um mich herum schreit nach Aufmerksamkeit: Die Buchhaltungssoftware braucht ein neues Update, das Konto braucht neues Geld, das Bürochaos braucht Ordnung. Kein Netz, das die Flut der Dinge abfängt, die man zu erledigen hat. Kopf braucht Pause. Deshalb lasse ich morgen mal alle Fünfe gerade sein und mache, worauf ich Lust habe. Vielleicht verstecke ich mich im Schatten unter einem Schirm, ohne helles Rampenlicht, und schlafe. Und hätte ich’s nicht geschrieben, hätte ich es nicht gewusst: Clown braucht Clown.



