Hinter Heiterkeit (5. Juli 2026)
Das war ein Fest. Zwanzig Jahre CLOWNESS-Theater. Ich bin glücklich. Es war wunderschön. Danke an alle, die dabei waren!Einen Teil mit „Glucks und Oma“ haben wir extra für diesen Tag geschrieben. Witz, wie wir ihn lieben – mit einer guten Portion Selbstsatire. Endlich auch mal spielen, was sich hinter den Kulissen versteckt: Traurigkeit, Büroarbeit. Angebote schreiben: am besten in den nächsten sechseinhalb Minuten, und dann die Absage: „Leider haben wir uns für eine andere Gruppe entschieden.“ Oder die Frage, ob es nicht günstiger ginge – schließlich sei der Auftraggeber gemeinnützig, karitativ, ehrenamtlich, sozial, und ein Auftritt wäre doch ganz tolle Werbung für uns! Unsere Antwort aus tiefstem Herzen: „Das hat in zwanzig Jahren noch nie geklappt!“
Eine meiner Lieblingsszenen: die perfekte Bookerin! Wunderbar gespielt von Judith. Sie ruft an und liest uns jeden Wunsch (samt fetter Gage von 5.000 Piepen!) von den Lippen ab. Sie fragt am Telefon, ob ich 2027 noch Termine frei habe. Meine Antwort: „Ich schaue mal nach!“ Ich blättere in einem leeren Kalender, den nur das Publikum sehen kann, und antworte: „Ich denke schon. Ein paar Termine wären noch frei!“ Die perfekte Bookerin denkt an alles: gutaussehende Männer zum Ausladen, gutes Essen, extra Fahrtkosten (bei den Spritpreisen!), und bucht am Ende nicht nur eines unserer Stücke, sondern alle. Fast zu schön, um wahr zu sein. So ist das leider nie, aber wir geben nicht auf.
Zum ersten Mal auf der Bühne waren unsere neuen Clownsrequisiten. Unser Geschenk an uns selbst: zwei Dreiräder, die sich auch noch als Tandem zusammen bauen lassen. Es war so cool, sie zu fahren. Born to be wild!
Drei unserer „Was wäre, wenn …?“-Folgen auf der großen Leinwand haben wir auch angeschaut, und ein Kind rief ganz erstaunt: „Aber das ist ja jetzt Kino!“
Hinter Heiterkeit steckt Arbeit: Neues schreiben. Gäste einladen. Plakate. Sieht sie überhaupt jemand? Schaut noch jemand hin? Proben – mit Kopf und Körper, Haut und Haar. Gleichzeitig Absagen aushalten: „Ich komme voll gerne beim nächsten Mal!“ – Ich spiele aber jetzt! Herz öffnen. Und immer wieder der Gedanke: Ich spiele für die, die kommen werden. The Show must go on!
Ich habe manchmal das Gefühl, Blumen säen zu wollen, während überall Mähdrescher unterwegs sind. Hoffentlich übersehen sie meine kleine Wildpflanze. Hoffentlich kommt jemand. Hoffentlich wird es schön.
Trotzdem säe ich weiter. Meine Samen sind Freude, Heiterkeit, aber auch Zweifel und (Selbst)kritik. Man kann unsere Kunst nicht abonnieren, aber selber entdecken. Wer sich daran erfreuen will, muss die Augen öffnen und hingehen – oder uns einladen.
DANKE für zwanzig Jahre Publikum!
Wie es in Zukunft weitergeht, weiß ich nicht. Aber ich pflanze weiter. Vielleicht wächst ja eine winzige, witzige Wildpflanze. Erst ist sie klein – und dann wird sie immer größer. So wie mein Kinderpublikum.
Und wenn die perfekte Bookerin hoffentlich bald anruft und fragt, ob ich 2027 noch Zeit habe, antworte ich: „Ich denke schon. Ein paar Termine wären noch frei!“ ;-)



