Reden ist Gold! (3. Mai 2026)
Zum Glück geht meine Stimme wieder. Letzte Woche war ich so heiser, dass ich nur noch krächzen konnte; ich habe eine Zeitlang gar nichts gesagt, außer (leider) ein paar private Termine abgesagt, zum Glück keinen Auftritt. Auftrittsabsagen sind immer eine blöde Sache – für alle Beteiligten. Neulich fragte mich jemand, ob ich im Krankheitsfall Geld bekomme. Ich antwortete: Nein, wenn ich nicht auftrete, verdiene ich auch nichts. Ich kenne zwei Leute, die Geld über die Künstlersozialkasse bekommen haben, allerdings waren sie über einen längeren Zeitraum krank.So heiser wie letzte Woche war ich das letzte Mal nach der Premiere von unserem Kindertheaterstück „Der Bücherschatz“ im Mai 2019. Damals kam es plötzlich – vermutlich durch die Probenbelastung und weil auch sonst jede Menge in meinem Leben los war.
Eines Morgens wachte ich total heiser auf und konnte die geplante Schulvorstellung nicht verschieben, also habe ich mich stimmlich durchs Stück gequält. Es ging irgendwie, aber Judith, die mit mir auf der Bühne stand, meinte hinterher, ich hätte wie ein trotziger, krächzender kleiner Junge geklungen – und das nicht aus künstlerischen Gründen!
Am Nachmittag kamen noch Kinder von einer Gehörlosenschule; zum Glück war eine Gebärdendolmetscherin eingeplant, mit der wir zuvor geprobt hatten. So war meine krächzende Stimme nicht ganz so schlimm, weil mein Text ohnehin übersetzt wurde. Dafür habe ich mir bei den Körperbewegungen doppelt so viel Mühe gegeben. Die Vorstellungen am nächsten Tag in einer Bibliothek musste ich absagen. Der HNO-Arzt meinte, meine Stimme sei komplett überlastet und brauche Pause. Alles pantomimisch umzuschreiben wäre nicht möglich gewesen, denn unsere Clownsfiguren reden zu gerne. Also musste ich eine Weile schweigen, abwarten und Tee trinken. Diese Auftritte konnten leider nicht später nachgeholt werden – Schulkinder haben manchmal mehr Termine als Topmanager, und auch der Raum in der Bibliothek war nur diesen Tag für uns reserviert …
Als mir über lange Zeit viele Veranstaltungen abgesagt wurden, war ich gar nicht krank (und wenn, dann hätte ich von mir aus abgesagt, so wie bei zwei Vorstellungen im Jahr 2022), und viele Kinder waren es auch nicht – oder zumindest nicht kränker als sonst, denn da hustet ja immer irgendwer.
Mir scheint, dass heutzutage Veranstaltungen weniger verbindlich vereinbart und leichter abgesagt werden, mit Sätzen wie: „Na, dann halt nächstes Jahr vielleicht?!“ So, als könnte ich jedes Stück jederzeit aufführen. Wenn nicht jetzt, dann halt in hundert Jahren oder so! Unverbindliche Anfragen soll ich häufig trotzdem ultraschnell beantworten: „Ja, schicken Se am besten sofort ein Angebot, dann schau’n wa mal … Ich kann das selber nicht entscheiden, aber schicken Se mal, dann schau’n wa mal. Ciao, dann mal …“
Aber genug gemeckert — es muss weitergehen, und das tut es auch. Im Hintergrund passiert die letzten Wochen einiges. Darüber bald mehr, ich platze fast schon vor Ungeduld, es hinauszuposaunen! Ich wäre sicher keine gute Kandidatin für den magischen Zirkel, wo man lebenslang irgendwelche Geheimnisse bewahren muss. Wahrscheinlich würde mir versehentlich ein geheimer Trick rausrutschen, über den man doch nicht sprechen darf!
Aber keine Sorge, ich zaubere gar nicht! Nur gelegentlich spiele ich als meine Clownsfigur Glucks, dass ich versuche, ein Geschenk herbeizuzaubern, obwohl ich das ja gar nicht kann. Nach ein paar Missgeschicken mit völlig unpassenden Geschenken hole ich schließlich ein echtes Geschenk aus meinem Koffer. Und einmal rief ein Kind schwer beeindruckt: „Glucks, du kannst wirklich zaubern. Die anderen Zauberer machen nur Tricks!“ Ich antwortete: „Das kann nur daran liegen, dass ihr mir geholfen habt!“
Der heutige Auftritt fand in München statt. Wir spielten „Glucks und das schrecklich liebe Gespenst“, und die Kinder halfen uns für Oma einen Gruselfilm als Geschenk zu ihrem 92,5ten Geburtstag zu drehen. Ich musste glücklicherweise nicht absagen, weil ich wie ein kaputtes Radio klang, sondern hatte wieder meine normale Stimme. Ich habe das Sprechen sehr genossen – Reden ist Gold! Und als Oma und ich uns dann den imaginären Film angeschaut haben, konnte ich mich aus voller Kehle mit ihr zusammen gruseln. Die Szene ist eine meiner Lieblingsstellen im Stück: Das Publikum schaut unseren Emotionen zu, während wir uns den imaginären Film anschauen.
Heute war ein richtiges Theaterpublikum vor Ort. Die Kinder und Erwachsenen waren von Anfang bis Ende in die Handlung unserer Geschichte vertieft. Hinterher haben wir auch noch getanzt. Es gab eine Runde Kinderdisco! Aber die Mütter, Väter und Großeltern konnten auch mitmachen. Theater und Tanz passen ziemlich gut zusammen. Ein Kind sagte hinterher: „Es war schön!“ Am Ende ist es das, worum es geht.



