Chaos im Kopf (23. Mai 2025)
Was für schöne Auftritte diese Woche: „Der Bücherschatz“ für Familien, „Glucks und der Klangsammler“ für alle zweiten Klassen einer Schule, „Im Traumland“ in einer Förderschule und vorher zweimal „Die Geschichte vom Meer“ im Kindergarten. Gut, dass ich die Tage nicht mit dem Text durcheinander gekommen bin und Meister Kling plötzlich „Oma“ genannt oder bei der „Geschichte vom Meer“ Dinos gesucht oder „Im Traumland“ plötzlich Lust auf Buchstabensuppe bekommen habe!
Ein Auftritt gestern war in der Förderschule. Von dort hatte mich folgende Anfrage erreicht: „Unser Oberthema lautet – demokratisch von den Kindern gewählt –: Reise ins Universum – Erde, Vulkane, Dinos, Weltall. Fällt dir dazu ein besonders passendes Stück von euch ein?“ Es hat etwas Überzeugungsarbeit gekostet, dass wir zum gesamten Oberthema „Erde, Vulkane, Dinos, Weltall“ nicht auf die Schnelle ein ganzes Stück aus dem Hut zaubern können, auch wenn das sicher spannend wäre! Ich schrieb, dass wir ein Stück mit einer Dinoszene im Repertoire haben („Traumland“) und ein Stück mit einer Weltallszene („Bücherschatz“), mit dem wir aber schon mal da waren. Nach ein paar Mails war „Traumland“ gebucht, samt Dino und den vielen Zwischenteilen, wo die Kinder jedes x-beliebige Thema einbauen können. Das taten sie dann auch. Immer wieder kam der Vorschlag, wir könnten von fliegenden Einhörnern träumen, und so schwebten wir in unserer Fantasie tatsächlich hoch in die Lüfte, sogar bis ins Weltall. Anstatt auch noch in den Urlaub zu fliegen, wollte ein Mädchen lieber in der Schule bleiben, weil es da schöner sei. Es waren auch sehr herzliche Lehrkräfte vor Ort, muss man wissen. Der Auftritt war wunderbar – auch ohne Vulkan.
Nun liegt jedoch ein riesiger Berg Bürokratie vor mir, den ich am liebsten in Lava versenken oder ins Weltall schießen würde. Aber wahrscheinlich fliegt da schon genug Weltraumschrott rum. Und so schaue ich mir diesen Berg an und schrumpfe mit meinen Aufgaben! Mein Steuerberater und ich wissen, dass an mir keine Buchhalterin verlorengegangen ist, auch wenn ich Bücher gerne in der Hand halte. Zu viel Chaos im Kopf!
Aber so geht’s den Kindern in der Erwachsenenwelt ja wahrscheinlich auch. Und wenn der Moment spannend oder lustig ist, dann ist das Oberthema/Motto, auf das sich die Erwachsenen gerne festlegen, sowieso Schnee von gestern!
Apropos Schnee – da fällt mir ein: Mein Stück „Die Reise ins Schneeland“ hätte ich eigentlich auch anbieten können – zum Thema Erde. Da reise ich einmal um die halbe Welt, um Schnee zu suchen. Erst mal nach Süden nach Italien, wo es das beste Eis gibt, denn dort wird es auch den besten Schnee geben, ist doch klar! Aber da finde ich nur Mozzarella, und so reise ich weiter nach Afrika. Da rufen die Kinder häufig ganz vehement, dass ich den völlig falschen Weg eingeschlagen habe und statt dessen nach Norden zum Nordpol muss. Da geht’s manchmal richtig rund im Publikum, wenn ich meinen Kurs nicht ändern mag. Und so gehe ich im Spiel wie auch im richtigen Leben meinen Weg weiter, auf meine Weise. Erst ganz am Ende am Südpol wird so manchem Schlaukopf klar, dass der vermeintlich verkehrte Weg trotzdem ans Ziel führen kann, weil es schließlich auch am Südpol jede Menge Schnee gibt.
Aber jetzt ist ja erst mal Sommer! „Sommer, Sonne, Sonnenschein“ ist mein Oberthema! Egal wie das Wetter ist. Ha! Und bevor ich den Bürokratieberg in meiner Fantasie höchstpersönlich zum Schmelzen bringe – bis sogar die Buchhalter Bauklötze staunen –, esse ich erst mal ein Eis.



